Mobilitätspaket – EU
blogs 3. Oktober 2024

Mobilitätspaket – EU

Wie in Brüssel sprichwörtlich völlig (oder zumindest teilweise) am Ziel vorbeigeschossen wird.

Der CO2-Ausstoß muss drastisch gesenkt werden (40 % im Jahr 2030 gegenüber 1990), unsere Energie muss durch Windkraftanlagen und Solarpaneele immer nachhaltiger werden, ab 2030 müssen alle neuen Autos, die das Werk verlassen, elektrisch angetrieben sein (Wasserstoff oder Batterie) und der Viehbestand muss halbiert werden, um den Stickstoffgehalt erheblich zu reduzieren. Die Erderwärmung muss eingedämmt und der Anstieg des Meeresspiegels gebremst werden. Europa will Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sein und strebt danach, kurzfristig vollständig klimaneutral zu werden. Wie passt das Mobilitätspaket hierzu?

Das Mobilitätspaket wurde ins Leben gerufen, um einen Transportsektor mit besseren sozialen Bedingungen für die Fahrer zu schaffen. An sich natürlich ein gutes Bestreben! Aber im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität verstehe ich einige Regeln in diesem neuen Mobilitätspaket nur wenig.

Rückkehrpflicht für Fahrzeuge

Teil dieser neuen Transportregeln in Europa ist nämlich, dass alle Lkw alle 8 Wochen in das Land zurückkehren müssen, in dem das Fahrzeug registriert ist.

Wie jeder weiß, wird in ganz Europa viel von osteuropäischen Fahrern gefahren. Im Jahr 2020 waren fast 100.000 Fahrer aus Polen und weitere 150.000 Fahrer aus anderen EU-Mitgliedstaaten in den Niederlanden unterwegs. Das bedeutet, dass alle 8 Wochen 100.000 Lkw nach Polen und zurück fahren müssen (größtenteils ohne Ladung), um den neuen Regeln zu entsprechen. Von Rotterdam bis zur polnischen Grenze sind es über 800 Kilometer (1.600 Kilometer hin und zurück).

Eine schnelle und einfache Rechnung führt uns zu 1.040.000.000 Kilometern „Hin-und-her-Fahren“ pro Jahr allein für die polnischen Fahrer in den Niederlanden. Dies entspricht 26.000 Weltumrundungen und über 900.000.000 kg CO2-Ausstoß (ausgehend von Diesel), um den neuen Regeln aus Brüssel zu entsprechen. Diese Rechnung betrifft erst die polnischen Fahrer in den Niederlanden, ganz zu schweigen von all den anderen ausländischen Fahrern, die über ganz Europa verteilt sind! Das kann natürlich nicht die Absicht sein. In meinen Augen schießt Brüssel hier völlig am Ziel vorbei.

Kabotage

Kabotage-Regeln gelten schon länger, doch innerhalb der EU-Mitgliedstaaten durften Fahrer zuvor nahezu uneingeschränkt fahren. Kabotage bedeutet, dass Güter innerhalb der Grenzen eines bestimmten Landes transportiert werden, wobei dieses Land nicht das eigene Land ist.

Ab jetzt muss bei den Fahrten buchstäblich gepuzzelt werden, denn jeder Fahrer darf nur noch 3 Fahrten in maximal 7 Tagen pro Mitgliedstaat durchführen und muss danach zwingend eine „Cooling-off“-Phase von 4 Tagen im betreffenden Mitgliedstaat einhalten. Unsere eigenen Fahrer fahren innerhalb der EU in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Es wird zu einem bizarren Puzzle, pro Fahrer und Mitgliedstaat eine Planung zu erstellen, die sicherstellt, dass sie nur 3 Fahrten machen und danach wieder 4 Tage „abkühlen“ müssen. Auch für die Planer in der Branche ist dies somit ein Motor für die Erhöhung der Arbeitsbelastung.

Diese Regel trägt meiner Meinung nach in keiner Weise zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Fahrer bei und behindert lediglich den Transport zwischen den verschiedenen Mitgliedstaaten in Europa.

Arbeitsbedingungen für Fahrer

Lassen Sie mich positiv abschließen, denn im Grunde sind natürlich viele Dinge am Mobilitätspaket gut. Die Sicherstellung einer fairen Entlohnung der Fahrer, ausreichende Ruhezeiten, die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sowie eine Verbesserung der Fahrereinrichtungen kann ich nur unterstützen.

Fahrer haben auch Familien zu Hause, daher müssen sie die Möglichkeit erhalten, in angemessener Regelmäßigkeit zu Hause zu sein. Im neuen Mobilitätspaket wird dies zu einer Verpflichtung für den Arbeitgeber, der dafür sorgen muss, dass seine Arbeitnehmer alle 3 oder 4 Wochen zu Hause sind. Monatelanges Unterwegssein und Schlafen in der Kabine gehört damit in Europa nun glücklicherweise der Vergangenheit an.

Der Transportsektor ist für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, und die Fahrer bilden das Rückgrat des Transportsektors. Es ist mehr als gerechtfertigt, dass es eine gute und faire Entlohnung für alle Fahrer in Europa gibt. Dazu müssen wir letztendlich alle unseren Teil beitragen!